Die Strafanstalt Lichtenburg (1811 – 1928)

Friedrich August, der König von Sachsen, verfügte am 2. Februar 1811 per Dekret den Umbau des Schlosses zu einer Straf- und Besserungsanstalt. Dafür wurden umfassende Umbauarbeiten am Schloss nötig. In späteren Jahren erfolgten zudem größere Anbauten. So fügte man in den Jahren 1829/39 in Verlängerung des Flügels B ein Lazarettgebäude an. Das Zellengebäude entstand 1878/79. Weiterhin kam im Jahre 1908 ein Garagen- und Werkstattgebäude an der Annaburger Straße hinzu.

Die ersten 373 männlichen und weiblichen Sträflinge aus dem aufgelösten Zuchthaus in Torgau kamen ab dem 22. April 1812 zusammen mit 62 Beamten in die Strafanstalt Lichtenburg. In den 117 Jahren ihres Bestehens waren ca. 50.000 Personen - vorrangig aus der preußischen Provinz Sachsen - hier inhaftiert. In der Lichtenburg wurden Haftstrafen von bis zu fünf Jahren vollstreckt. Personen, die mehr als dreimal verurteilt worden waren oder längere Haftstrafen verbüßen mussten, wurden im frühen 20. Jahrhundert in die neu erbaute Strafanstalt nach Halle/Saale verbracht. Die weiblichen Gefangenen hatte man bereits im Dezember 1860 in die eigens für Frauen eingerichtete Strafanstalt im Delitzscher Schloss verlegt, so dass die Lichtenburg seitdem ausschließlich männliche Gefangene beherbergte.


Der Zellenbau entstand in den Jahren 1878/79

Wahrscheinlich spätestens seit der Deutschen Revolution von 1848/49 befanden sich auch politische Häftlinge in der Lichtenburg. Sie waren beispielsweise wegen Aufruhr verurteilt worden. Die Zahl der Todesfälle lag nach heutigem Kenntnisstand zwischen 2.500 und 2.800 Personen. Todesursache waren Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder Krätze. Eine nicht unerhebliche Zahl von Häftlingen starb aber auch aufgrund von Suiziden. Die Bewachung der Gefangenen oblag ca. 35 bis 40 Aufsehern. Dabei kamen in der Regel 20 Häftlinge auf einen Aufsichtsbeamten.

Am 4. Juli 1928 wurde die königlich-preußische Strafanstalt Lichtenburg aufgelöst. Die Gründe lagen in der erschwerten und kostspieligen Bewachung der unübersichtlichen Schlossanlage, zurückgehenden Häftlingszahlen, geänderten Formen der Strafvollstreckung und nicht zuletzt in dem schlechten baulichen Zustand. Die verbliebenen 226 Insassen wurden in andere Anstalten verlegt.