Trauer um Ernesto Kroch (11. Februar 1917 - 11.März 2012)

Text und Bild: Jana Müller (AJZ Dessau)


September 2009 in der KZ-Gedenkstätte Lichtenburg


Ernesto Kroch wurde am 11. Februar 1917 unter dem Namen Ernst Julius Kroch in Breslau geboren. Im Alter von zwölf Jahren schloss er sich dem deutsch-jüdischen Wanderbund „Kameraden“ und 1932 der sozialistischen Bewegung „Freie Deutsch-Jüdische Jugend“, die in Breslau innerhalb der KPO (Kommunistische Partei Opposition) agierte, an.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten beteiligte er sich an illegalen Aktionen, die u.a. vor den kriegerischen Absichten der Nazis warnten. Im November 1934 verhaftet, wurde er zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Am 9. Mai 1936, dem Tag seiner Entlassung, in „Schutzhaft“ genommen, erfolgte die Überstellung in das Konzentrationslager Lichtenburg. Bis zu seiner Entlassung war er dort als politisch-jüdischer Häftling ganz besonders den Schikanen der SS ausgesetzt. Nach einem dreiviertel Jahr im KZ Lichtenburg musste er versichern, dass er innerhalb von zehn Tagen das Deutsche Reich verlässt. Seine Eltern hatten ein Visum für Jugoslawien besorgt. Als Ende 1938 die Aufenthaltsgenehmigung für Jugoslawien auslief und eine Abschiebung nach Deutschland drohte, gelang ihm am 26.12.1938 die Einreise nach Uruguay.

Seine beiden Geschwister flüchteten nach Palästina. Die Eltern wollten zunächst ihre Heimat nicht verlassen. Erst im Herbst 1941 sahen sie keine Alternative mehr, doch keinem der drei Kinder gelang es, die Eltern noch aus den Fängen der Nazis zu befreien. Die letzte Nachricht, die Ernesto von ihnen erhielt, stammt aus Theresienstadt. Später erfuhr er, dass Ludwig Kroch in Theresienstadt ums Leben kam und Elly Kroch von dort nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde.

Im Juni 1973 riss das Militär in Uruguay die Macht an sich. 1975 wurde Ernestos Sohn abgeholt und inhaftiert. Auch während der Militärdiktatur beteiligte sich Ernesto an der Gewerkschaftsarbeit im Untergrund. Als ihm Anfang 1983 die Verhaftung drohte, floh er in die BRD. Im November 1984 kehrte er nach Uruguay zurück. 1990 erschien Ernestos Autobiografie „Heimat im Exil – Exil in der Heimat“.

Ernesto verstarb am 11. März 2012 nach schwerer Krankheit in Frankfurt am Main. Mit ihm verlieren wir einen aufrechten und liebevollen Menschen, der sich sein ganzes Leben gegen alle Widerstände politisch engagierte.